IEC 62619 vs. UL 1973: Welche Zertifizierung für die Energiespeicherung?
Ein Batterielieferant gibt an, sein Produkt sei zertifiziert, doch im Zertifikat ist eine andere Norm genannt als in Ihrer Projektspezifikation. Diese Abweichung kann Zulassungen verzögern oder Änderungen am Design erforderlich machen. IEC 62619 und UL 1973 behandeln beide die Batteriesicherheit, sind jedoch keine austauschbaren Bezeichnungen. Welche Norm die richtige ist, hängt vom Produkt, dem Markt und dem Zulassungsweg ab.
## Anwendungsbereich der einzelnen Normen
IEC 62619 legt Sicherheitsanforderungen und Prüfungen für sekundäre Lithiumzellen und -batterien fest, die in industriellen Anwendungen eingesetzt werden. Der Anwendungsbereich umfasst stationäre Anwendungen wie Energiespeicherung, Telekommunikation und UPS sowie bestimmte Antriebsanwendungen. Die Norm behandelt Gefahren im Zusammenhang mit Zellen und Batteriesystemen, darunter elektrische, thermische und mechanische Risiken.
UL 1973 ist eine nordamerikanische Sicherheitsnorm für Batterien in stationären Anwendungen und Hilfsstromversorgungen. Sie wird häufig für Batterien in Energiespeichersystemen sowie Telekommunikations- und UPS-Anlagen spezifiziert. Die anwendbare Ausgabe, die Produktkategorie und der Zertifizierungsumfang sind entscheidend: Ein Zertifikat für eine Batteriekonfiguration deckt nicht automatisch alle Packs ab, die mit denselben Zellen gefertigt werden.
Keine der beiden Normen ersetzt die Prüfung der Anforderungen an das Gesamtsystem. Eine Batterie muss möglicherweise eine oder beide Normen erfüllen, während Wechselrichter, Installation, Brandschutz und Netzanschluss nach separaten Vorschriften und Anforderungen bewertet werden. UN38.3 betrifft Transportprüfungen; daraus geht nicht hervor, dass eine Batterie nach IEC 62619 oder UL 1973 zertifiziert ist.
## So treffen Sie die Entscheidung
Klären Sie zunächst den Zielmarkt und die Stelle, die die Installation genehmigt. Bei einem Projekt mit IEC-basierten Spezifikationen kann IEC 62619 gefordert sein. Bei einem nordamerikanischen Projekt wird UL 1973 häufig vom Kunden, Versicherer oder der zuständigen Behörde vorgeschrieben. Lassen Sie die Anforderung schriftlich bestätigen, statt sie allein aus dem Projektstandort abzuleiten.
Gleichen Sie anschließend die Norm mit dem tatsächlich zu liefernden Produkt ab. Ein Dokument für eine Zelle, eine Bewertung eines Batteriemoduls und die Zertifizierung eines vollständigen Batteriesystems beziehen sich auf unterschiedliche Umfänge. Prüfen Sie, ob Modellnummer, Zellchemie, Gehäuse, BMS, Nennspannung, Kapazität und zulässige Betriebsbedingungen der Konfiguration entsprechen, die Sie kaufen möchten.
Als Orientierung für den Einkauf gilt: IEC 62619 ist eine internationale Sicherheitsnorm für Industriebatterien, die häufig in IEC-orientierten Märkten verwendet wird; UL 1973 ist eine nordamerikanische Batteriesicherheitsnorm, die bei der Beschaffung stationärer Stromversorgung häufig genannt wird. Beide können eine Designprüfung und Tests umfassen, doch Prüfprogramme und Zertifizierungsumfang unterscheiden sich. Keine der beiden bestätigt allein die Einhaltung sämtlicher Anforderungen an Standort, System oder Transport.
Betrachten Sie bei einem LiFePO4-Pack die Zellchemie nicht als Konformitätsnachweis. Fragen Sie, wie das geprüfte Design Zellüberspannung und -unterspannung, Überstrom, Temperatur und weitere relevante Fehlerzustände beherrscht. Prüfen Sie das Schutzverhalten des BMS, die Nennwerte von Zellen und Pack sowie die Betriebsgrenzen für Laden und Entladen, einschließlich C-Rate und Temperatur.
- Ermitteln Sie das Land, die Projektspezifikation und die genehmigende Stelle.
- Klären Sie, ob die Anforderung für Zellen, Module, den Batteriepack oder das Gesamtsystem gilt.
- Gleichen Sie Zertifikat und Prüfbericht mit dem angebotenen exakten Modell und Hardwarestand ab.
- Prüfen Sie, ob IEC 62619 und UL 1973 ausdrücklich beide gefordert sind, und verlangen Sie Nachweise für jede Norm.
## Zu prüfende Zertifizierungsnachweise
Verlangen Sie das Zertifikat samt Geltungsbereich, nicht nur eine Lieferantenerklärung oder ein Logo. Prüfen Sie die ausstellende Organisation, die Norm und ihre Ausgabe, den Zertifikatsstatus, die abgedeckten Produktmodelle sowie etwaige Bedingungen oder Einschränkungen. Wenn das Projekt einen Prüfbericht oder eine Listung voraussetzt, klären Sie, welche Dokumente Käufer, Systemintegrator oder Behörde akzeptieren.
Fragen Sie nach Änderungen seit der Prüfung. Der Austausch von Zellen, Änderungen am BMS, andere Gehäusematerialien, eine erhöhte Kapazität oder eine überarbeitete Wärmekonstruktion können beeinflussen, ob die Nachweise für das gelieferte Produkt gelten. Der Lieferant sollte die Änderungslenkung erläutern und angeben, wann eine technische Prüfung oder zusätzliche Tests erforderlich sind.
Klären Sie außerdem die Verantwortlichkeiten auf Systemebene. Der Batterielieferant kann Zertifizierungsnachweise für die Batterie bereitstellen, während der Systemintegrator die Wechselrichterkompatibilität, das Installationsdesign, die Standortsteuerung und weitere Genehmigungen verantwortet. Stimmen Sie bei Solarstromspeichern sowie Telekommunikations- und UPS-Projekten Schnittstellen und Betriebsgrenzen frühzeitig ab, einschließlich der SOC- und SOH-Meldung, sofern die Anwendung dies erfordert.
Eine praxistaugliche Spezifikation sollte die geforderte Norm und Ausgabe, die Produktebene, den Zielmarkt, das genaue Modell und die bei Lieferung erforderlichen Nachweise nennen. Führen Sie verbundene Anforderungen separat auf, etwa UN38.3 für den Transport sowie anwendbare System- oder Installationszulassungen. So wird verhindert, dass eine allgemeine Zertifizierungsaussage mit der Projektfreigabe verwechselt wird.
Für Käufer, die eine neue Batteriekonfiguration entwickeln, kann Newbeebattery als OEM/ODM-Partner für kundenspezifische Packs die Packauslegung und Zertifizierungsplanung auf die Zielanwendung und den Zielmarkt abstimmen. Klären Sie den vorgesehenen Zertifizierungsweg und die erforderlichen Nachweise, bevor Sie die Spezifikation oder den Produktionsplan endgültig festlegen.
## Fazit
IEC 62619 und UL 1973 behandeln die Batteriesicherheit in sich überschneidenden industriellen und stationären Anwendungen, unterscheiden sich jedoch in Geltungsbereich und Anerkennungswegen. Richten Sie die Wahl nach der Projektspezifikation und den Anforderungen der zuständigen Stelle aus, prüfen Sie, ob die Nachweise den konkreten Pack abdecken, und klären Sie gesondert, ob beide Normen oder zusätzliche Zulassungen erforderlich sind.
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